 | Stress macht krank |
Anonymous schreibt "Das Immunsystem wird geschwächt, der Hormonhaushalt gerät ins Ungleichgewicht, es drohen Herzinfarkt und Schlaganfall. Wer unter Stress steht, wird auch schneller alt, sagen Forscher der Uni von Kalifornien in San Francisco.
Doch jeder erlebt Stress anders. Um zu mehr Gelassenheit zu gelangen und aus der Stress-Spirale auszusteigen, gibt es mehrere Wege und Strategien.
Auf Medikamente und die Apparatemedizin allein dürfen wir nicht setzen, meint Prof. Peter Nawroth von der Medizinischen Universitätsklinik in Heidelberg. Sein Rat für Menschen, die sich ausgebrannt fühlen: Gesunde Lebensführung mit ausgewogener Ernährung, regelmäßigem Sport, Entspannung und vor allem ausreichend Schlaf.
Doch ist Stressvermeidung laut Nawroth auch Einstellungssache: «Wir müssen uns in der technologischen Gesellschaft daran gewöhnen, dass man Menschen nicht "fit machen" kann», sagt der Leiter eines Forschungsteams, das nachgewiesen hat, dass psychische Belastungen sogar zu molekularen Veränderungen in den Körperzellen führen können. Viel sei erreicht, wenn Job und Freizeit in einer guten Balance sind. Dabei muss jedoch jeder Mensch sein eigenes Gleichgewicht finden.
Stress-Experten raten, die persönliche Situation zu analysieren und dann seinem Typ entsprechend die Anti-Stress-Strategien zu wählen. Perfektionisten können sich entlasten, indem sie Arbeiten delegieren und ihre Ziele gelegentlich auf den Prüfstand stellen. Der «Helfer-Typ» muss lernen, Nein zu sagen, und er darf sich selbst öfter etwas Gutes tun. Ehrgeizige bleiben gelassener, wenn sie den Tagesablauf mit Pufferzonen planen und ein sportliches Hobby pflegen.
«Stress muss von verschiedenen Seiten angegangen werden», sagt Anne Katrin Matyssek. Für die Psychotherapeutin aus Aachen ist Ausdauersport ideal zur körperlichen Bewältigung von Stress. Gedanklicher Stressabbau gelinge dagegen, wenn «Miesmacher-Gedanken» entlarvt und durch «Mutmacher-Gedanken» ersetzt werden.
Wichtig sei dazu, fünf- bis sechsmal am Tag das «Stresskarussell» zu verlassen und sich gedanklich mit etwas Schönem zu beschäftigen. Das könne der geplante Urlaub sein - oder auch nur der Blick zum Himmel. Der Stress-Pegel sinkt und die innere Aufruhr ebbt ab. Wer sich dann noch reckt, streckt und auf ein langes Aus- und Einatmen konzentriert, wird sich anschließend nicht mehr so erschöpft fühlen, sagt die Anti-Stress-Trainerin.
Für Berufstätige gilt zudem, dass die Mittagspause nicht ständig zu kurz kommt und die Arbeitszeiten nicht ausufern. Hilfreich sei weiterhin der Austausch mit Kollegen gerade bei Problemen, rät Prof. Udo Konrad, Organisationspsychologe aus Kiel. Der Austausch baue Spannung ab und wirke entlastend. In besonderem Maße gilt dies für Selbstständige, die besonders von Stress bedroht seien: «Wer den Schreibtisch zu Hause hat, muss sich unbedingt ein Arbeitsumfeld schaffen, das weder von Familie noch von Freunden gestört werden kann», sagt Konrad. Denn jede Ablenkung bedeutet, dass der Feierabend in weite Ferne rückt und der innere Druck zunimmt.
Ein neuer Ansatz ist, Dauerstress auf medizinischer Basis zu behandeln. «Oft werden die Symptome der Patienten auf psychische Faktoren reduziert und die körperlichen Auswirkungen von Stress vernachlässigt», sagt Margaretha Alram, Leiterin der Klinik für Medizinisches Stressmanagement in Lindau am Bodensee. «Der Rat, kürzer zu treten, ist in der Praxis für die meisten meiner Patienten gar nicht möglich.» Alram versucht zuerst, ihre Patienten körperlich zu stabilisieren. Neben dem Hormon- und Vitalstoffspiegel bezieht sie weitere Risikofaktoren ein: Allergien, immunologische Probleme, Rauchen oder Alkoholkonsum können Stress-Symptome begünstigen.
Eine wichtige Rolle beim Thema Stress spielt laut Alram der Darm. Parasiten, Pilze, aber auch eine Nahrungsmittelallergie können zu Problemen führen. Hinzu kommt, dass Gestresste häufig ihr Essen nur so hinunterschlingen - und statt zu gut verträglichem Gemüse und Kartoffeln zu Fastfood, fetthaltigen Gerichten und Schokoriegeln greifen. Das kann jahrelang gut gehen. «Spätestens im Alter aber rebelliert der Darm», so die Expertin. Daher gehört zu ihrem Konzept neben Physiotherapie und Stress-Management auch Ernährungsberatung.
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